Geplante Ortsumfahrungen: Gegner formieren sich

Die Gründungsmitglieder der „Schutzgemeinschaft Aldersbacher Tal“ wenden sich gegen den Bau der Ortsumfahrungen von Egglham, Aidenbach und Aldersbach und haben ein Fachbüro mit einer Stellungnahme beauftragt. − Foto: Kunschert
Aldersbach/Egglham. Seit mehr als zwei Jahrzehnten laufen die Planungen für eine Ortsumfahrung von Aidenbach und Aldersbach, mindestens genauso lange schon gibt es verbalen Widerstand bei Anliegern und Grundstücksbetroffenen. Nun haben sie sich formiert und den Verein „Schutzgemeinschaft Aldersbacher Tal“ gegründet.
Den Ausschlag gegeben für die vor wenigen Wochen erfolgte Vereinsgründung hat das laufende Planfeststellungsverfahren zum Bau der Ortsumfahrung von Egglham. Dort soll die Staatsstraße 2109 nordwestlich des Ortes vorbeigeführt werden, um den Ortskern zu entlasten
Fachbüro eingeschaltet:
Nachdem das Vorhaben zuletzt etwas an Schwung verloren hatte, treibt das Staatliche Bauamt die Planungen nun wieder voran, weil es gelungen ist, die dafür erforderlichen Grundstücke zu erwerben. Die aktuellen Pläne sehen eine neue Trasse vor, die am südlichen Ende von Egglham beginnen und vorerst in Höhe Frauentödling enden soll. Dafür ist nun das Genehmigungsverfahren beantragt – und dagegen gehen die Ausbaugegner jetzt vor.
Wie Vereinsvorsitzender Rudi Kunschert aus Aidenbach bei einer Mitgliederversammlung sagte, habe man in kurzer Zeit 450 Unterschriften sammeln können, die sich gegen die Planungen wenden. Diese Unterschriften seien Bestandteil einer Sammel-Einwendung an die Regierung von Niederbayern im laufenden Verfahren.
Um nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ hochwertig vorgehen zu können, hat der Verein, der von 14 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen wurde, ein Fachbüro eingeschaltet. Dieses hat nun auf zehn Seiten eine Stellungnahme verfasst, die sich inhaltlich dezidiert gegen den Genehmigungsantrag des Staatlichen Bauamtes wendet.
Um ein solches Fachbüro und gegebenenfalls weitere Rechtsschritte finanzieren zu können, sei die Vereinsgründung erfolgt, so Rudi Kunschert. Neben ihm als Vorsitzenden wird die „Schutzgemeinschaft Aldersbacher Tal“ vom Zweiten Vorsitzenden Josef Englmüller, von Kassier Siegfried Bäumler und von Schriftführerin Marina Brandl verantwortlich vertreten. Der Verein ist vom Finanzamt als gemeinnützig anerkannt und kann daher Spenden entgegennehmen. Kunschert: „Es sind in kurzer Zeit viele Spenden eingegangen.“
Politische Unterstützung erfahren die Ausbaugegner vom Aldersbacher Gemeinderat Robert Steinbauer (Bündnis 90/Die Grünen), der seit jeher das Bauvorhaben ablehnt und auch zuletzt gegen die zustimmende (9:7) Stellungnahme seiner Gemeinde votierte. „Wir haben mehr als genug Straßen“, ist seine Grundüberzeugung.
Vorwurf: „Salami-Taktik mit Ziel Bundesstraße“
Außerdem weist Steinbauer darauf hin, dass die geplante Trasse zwischen Weng in der Gemeinde Aldersbach und Egglham in erster Linie keine Ortsumfahrung sein soll, sondern ein Lückenschluss der Fernstraße zwischen der Autobahn A3 bei Hengersberg und der A94 bei Simbach am Inn. Er zitiert aus einem Protokoll des regionalen Planungsausschusses vom Oktober 2002, wonach die Straße nach Fertigstellung „in die Baulast des Bundes übergehen“ soll. Steinbauer: „Die angeblichen Ortsumfahrungen sind eine Salami-Taktik mit dem Ziel einer Bundesstraße.“
Das sieht auch Vereinsvorsitzender Rudi Kunschert so, der von einem „Etikettenschwindel“ spricht. Für Bundesstraßen würden ganz andere, vor allem strengere Regelungen gelten als für Ortsumfahrungen. Kunschert nennt Aspekte des Lärm- und Umweltschutzes als Beispiele, die bei einer Bundesstraße höher gewichtet werden müssten – und den Bau vermutlich verteuern würden.
Egglhams Bürgermeister Hermann Etzel verfolgt die ganze Debatte in den Nachbargemeinden, befürchtet aber keine Folgen für die Umgehung von Egglham: „Diese ist auch als eigenes Projekt ohne die beiden anderen Umgehungen machbar, zumal das Ganze ohnehin in zwei Bauabschnitte aufgeteilt ist.“ Wichtig sei aus seiner Sicht, dass das Planfeststellungsverfahren eingeleitet worden ist.
Nachvollziehen kann er die Sicht der Gegner dieser Umgehungen nicht . „Man sollte lieber mit den Leuten reden, die pendeln und jeden Tag die Strecke durch die Orte fahren müssen.“ Und was die Unterschriftenaktion betrifft: „Wenn sich dabei Betroffene äußern, ist das völlig in Ordnung. Wenn aber welche unterschreiben, die weit weg von unseren Gemeinden daheim sind, dann ist das sehr fragwürdig.“ Dass dem so sei, wisse er, weil auch im Egglhamer Rathaus Listen abgegeben worden seien.
